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Ein Kreuz kommt auf den Gipfel

Gipfelkreuze bedeuten Orientierung, Kultur, Geschichte. Manche haben eine ganz besondere Geschichte zu erzählen. So wie jenes, das seit Juni 2010 den Rosskopf/Kreuzjoch (2.305 m) im Zentrum der Ötztaler Alpen schmückt.

Es ist ein „Vergelt’s Gott“ der beiden Tiroler Wander-hoteliers Andrea und Franz Staggl. Jahr für Jahr begleiten die geprüften Bergwanderführer ihre Gäste auf rund
100 Wanderungen. Nach zehn Jahren Mitgliedschaft bei den Tiroler Wanderhotels suchten sie nach einem besonderen Weg, um Danke dafür zu sagen, dass all diese Touren unfallfrei verlaufen waren. So entstand die Idee, ein Gipfelkreuz aufzustellen. Und zwar gemeinsam mit Freunden, Stammgästen, Mitarbeitern und der Pitztaler Bevölkerung. „Für uns ist dieses Kreuz ein Zeichen dafür, dass Bergwanderungen verbinden und ewig in Erinnerung bleiben. Es vermittelt die Botschaft, dass Bergerlebnisse Kraft geben über alle Täler des Alltags hinweg“, so Andrea und Franz Staggl.

Tiroler Einzigartigkeit

Die Aktion war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen, weil eine Privatperson die Erlaubnis erhielt, ein Gipfelkreuz zu errichten. „Für Außenstehende mag das einfach klingen, aber aufgrund der besonderen Eigentumsverhältnisse, nämlich der Trennung von Grundeigentum und Nutzungsrechten, bleibt dieses Ereignis selbst in Tirol einzigartig“, erklärt Franz Staggl. Auch die Zusammenarbeit im Vorfeld beeindruckte. Nachdem die Agrargemeinschaft Arzler-Alm als Grundeigentümer dem Projekt zugestimmt hatte und mit der Almpächterin Monika Neuner der Termin fixiert wurde, errichtete die Helikopterfirma Wucher mit tatkräftiger Unterstützung Einheimischer im August 2009 das Fundament für das Kreuz. Die Firma Englbert Eckhart aus Arzl konstruierte währenddessen das wunderschöne Edelstahlkreuz zum Selbstkostenpreis.

Stück für Stück, Schritt für Schritt

In Einzelteilen trugen Gastgeber, Einheimische und Gäste aus Deutschland, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden während einer „Sonderwanderwoche“ im Juni 2010 das Kreuz an seinen Bestimmungsort, den Rosskopf/Kreuzjoch. „Die Wanderungen, das gemeinsame Aufstellen und schließlich der krönende Abschluss aller Mühen – die Einweihung des Kreuzes – das waren ohne Zweifel unvergessliche Momente“, erinnert sich Franz Staggl.

Vom Bedürfnis zu danken

Über dieses Bedürfnis, danke zu sagen, das sich vielen Wanderfreunden förmlich aufdrängt, wenn sie am Gipfel stehen, wenn sie den Reichtum des echten Erlebens, der Natur und der Stille spüren, sprach Altbischof
Dr. Reinhold Stecher zum 10-jährigen Bestehen der Wanderhotels auf der Zugspitze.

Mit Worten, die unter die Haut gehen, gab er Einblick in seine Gedanken. Ein Auszug: „Damit kommen wir zur letzten Facette, wenn wir das Wanderthema wie einen Bergkristall im Licht drehen. Hier berühre ich nun das, was wirklich „hinter den Bergen haust“, hinter allen Erfahrungen und Eindrücken, hinter den Bildern aus Wandertagen und Bergfahrten. Bilder, die sich in den Grund unserer Seele senken und dort eine heimliche Privatgalerie bilden, zu der wir in späteren Zeiten und Jahren hinuntersteigen und uns immer wieder erfreuen – im Glück der Erinnerung. Es taucht doch in der Be-trachtung der Schönheit der Natur etwas auf, das uns in den Problemen und Turbulenzen, den Sorgen und Belastungen des Lebens oft nicht so leicht hochkommt: Das Bedürfnis zu danken! (…)
Ich weiß, dass in unserer Zeit „Glauben können“ für viele nicht einfach ist, und ich weiß auch, dass die Rede von dem, der hinter allen Dingen steht, von Gott, nicht schulmeisterlich-aufdringlich sein darf. Aber das habe ich von den Wegen durch Bergwälder und weite Almweiden, unter schweigenden Wänden und an fröhlichen Bächen vorbei, in den Morgenstunden mit dem Reif an den jungen Bäumen und in den Abenden mit den vielen Blaustufen in den Bergkulissen gelernt.

Die Bergwelt spricht in einer vornehmen, diskreten, aber eindringlich-wuchtigen Sprache von dem, der hinter ihr haust. Und wer diese Sprache hört und erfasst, dem erschließt sich der größte Reichtum des wandernden Menschen. Das ist’s, was „hinter den Bergen haust“: Der Reichtum echten Erlebens, der Schatz der gesunden Mühe, die Schönheit der Natur, die Therapie der Stille und das Geschenkerlebnis des Daseins mit dem Dank an den Schöpfer!“

Hotel:
Hotel Arzlerhof // Arzl im Pitztal
www.wanderhotels.at/arzlerhof